SearchMenü

Raumszenarien Österreichs 2030

Projektlaufzeit: Anfang 2006 - Frühjahr 2009
- English Summary
- Präsentationsfolien (DE, EN)
- Bestellung der Projektberichte (Schriftenreihe Nr. 176/I und 176/II)

Das Projekt wurde von der Österreichischen Raumordnungskonferenz bei Rosinak&Partner ZT GmbH (Projektleitung Helmut Hiess, http://www.rosinak.at/) beauftragt. Die Prozessbegleitung wurde von ÖAR Regionalmanagement (Harald Payer, http://www.oear.at/) vorgenommen, bei der Szenarioentwicklung war ein interdisziplinäres ExpertInnenteam beteiligt.

Projektergebnisse
Die räumlich integrierten Entwicklungsszenarien wurden ausgehend von sektoralen Szenarien zu den folgenden neun raumrelevanten Themenfeldern erarbeitet: Bevölkerung, Energie, institutionelle Rahmenbedingungen, Landwirtschaft, Sozialer Wandel, Tourismus, Umwelt, Verkehr, Wirtschaft. Die Erarbeitung der sektoralen Szenarien wurde im Jahr 2008 abgeschlossen und als Ergebnisse der ersten Projektphase in der ÖROK-Schriftenreihe Nr. 176/I "Szenarien der Raumentwicklung Österreichs 2030 - Materialienband" veröffentlicht.

Die Projektergebnisse der zweiten Projektphase - die räumlichen Szenarien, Herausforderungen und Handlungsstrategien - wurden in der ÖROK-Schriftenreihe Nr. 176/II "Szenarien der Raumentwicklung Österreichs 2030. Regionale Herausforderungen & Handlungsstrategien" publiziert.

Dabei wurden bei der Zusammenführung der sektoralen Szenarien zu "räumlichen Szenarien"  zunächst Megatrends abgeleitet, die in allen Szenarien bemerkbar sind:
- Alterung der Gesellschaft, Bunte Gesellschaft
- Globale Wirtschaftswelt, mobile und digitale Welt
- Energiehunger, Klimawandel

Räumliche Szenarien
Die Entwicklungsszenarien beschreiben vier mögliche Zukünfte. Die Megatrends finden sich in ihnen in unterschiedlich starker Ausprägung wieder, insgesamt beschreiben die Szenarien die Zukunft bunter und vielfältiger, als dies durch "Megatrends" geschieht. Bei den Szenarien handelt es sich allerdings nicht um Trend- oder Zielszenarien, sondern um möglichst konsistente, verschiedene Zukünfte. Diese Szenarien sollen als Grundlage für die Entwicklung mittel- bis langfristiger robuster Handlungsstrategien dienen.

(1) Szenario „Alles Wachstum“
Wesentliche Driving Forces der Raumentwicklung (Wirtschaft, Bevölkerung, Tourismus, Mobilität und Transport) wachsen stark. Der Mehrbedarf an Energie kann durch verbesserte Energieeffizienz und Alternativen zum fossilen Energieeinsatz bewältigt werden. Dadurch wird auch der Eintrag von klimawirksamen Gasen in die Atmosphäre stark reduziert.  Ein gutes Zusammenspiel zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft verhindert die Zunahme von Disparitäten. Der Druck auf den Raum steigt dennoch stark.

(2) Szenario „Alles Wettbewerb“
Auch in diesem Szenario wachsen die wesentlichen Driving Forces der Raumentwicklung (Wirtschaft, Bevölkerung, Tourismus und Transport) stark. Dabei wird angenommen, dass der Markt rechtzeitig auf Knappheiten reagiert und dadurch tief greifende Energie- und Umweltkrisen vermieden werden. Im Gegensatz zum Szenario „Alles Wachstum“ verschärfen sich die gesellschaftlichen und damit auch die räumlichen Disparitäten stark. Der Druck auf den Raum nimmt in den Wachstumszonen sehr stark zu, während andere Regionen mit Abwanderung und Schrumpfungsphänomenen konfrontiert sind.

(3) Szenario „Alles Sicherheit“
Das Szenario „Alles Sicherheit“ ist durch ein moderates Wachstum der meisten Driving Forces der Raumentwicklung gekennzeichnet (Wirtschaft, Bevölkerung, Tourismus). In den land- und forstwirtschaftlichen Gunstlagen erhöht sich der Druck durch verstärkte Nachfrage nach Biomasse für energetische Nutzung. Starke staatliche Regulierung, gut ausgebaute soziale Sicherungssysteme und restriktive Zuwanderung verhindern das Wachstum gesellschaftlicher Disparitäten. Energie-, Klima- und Umweltpolitik werden auf europäischer und nationaler Ebene durch Steuer- und Technologiepolitik reguliert. Energie- und Treibstoffpreise sind hoch, werden aber durch verbesserte Energieeffizienz teilweise kompensiert. Dennoch wirken die Mobilitätskosten zu Gunsten der Agglomerationen und Zentren.

(4) Szenario „Alles Risiko“
In diesem Szenario wird davon ausgegangen, dass die Entwicklung strukturell dem Szenario „Alles Wettbewerb“ folgt, dass der Markt aber keine vorsorgenden Maßnahmen gegen eine plötzliche Energieverknappung umsetzt. Es kommt daher zu einem starken Energiepreisanstieg, ohne dass rasch wirksame gegensteuernde Maßnahmen bereitstehen. Die wesentliche Driving Force der Raumentwicklung sind die hohen Energie- und Mobilitätskosten. Bauliche Verdichtung und Intensivierung der Ausbeutung natürlicher Ressourcen für energetische Nutzung (Biomasse, Wasser, Wind, Sonne) bestimmen die räumliche Entwicklung.

Chancen und Risken
Aus den Szenarien wurden Chancen und Risken für die räumliche Entwicklung abgeleitet. Ohne steuernde Maßnahmen können die Chancen nur unzureichend genutzt werden und die Risken zu einer Verschärfung bereits bestehender Probleme führen.

Sieben Risken
(1) Zersiedelung, Kfz-orientierte Siedlungsstrukturen, hohe Infrastrukturkosten
(2) Zunahme der räumlichen Disparitäten zwischen Stadt und Land, starken    
      und schwachen Standorten
(3) Suboptimale Standortentwicklung mit hohen externen Kosten (Verkehr,  
     Umwelt, Freiraum)
(4) Übernutzung natürlicher Ressourcen, Zurückdrängung Naturschutz, Verlust 
      an Biodiversität, Nutzungskonflikte
(5) Ethnisch-religiöse und soziale Segregation, No Go Areas, Gated Communities (6) Instabile Industrie- und Gewerbestandorte
(7) Abbau der Daseinsvorsorge, Verlust an Versorgungsqualität besonders in
     kleinen Ortschaften und im fußläufigen Einzugsbereich

Sieben Chancen
(1) Drehscheibe Österreich: Erweiterung des europäischen
      Kernwirtschaftsraumes in Richtung Ost- und Südosteuropa.
(2) Pulsierende Zentren mit hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards
(3) Aufbau biomassebasierter Qualitätswertschöpfungsketten: Lebensmittel,
      Energie, Holz
(4) Energieautarke Regionen: Wasser, Wind, Biomasse, Solar
(5) Produktionsstandort für energieeffiziente Produkte und Umwelttechnologie
(6) Tourismusstandort Österreich als Klimawandelgewinner: Sommerfrische und
      Regen
(7) Multifunktionalität und Kleinteiligkeit erhöhen Flexibilität und 
     Anpassungsfähigkeit

Strategische Herausforderungen
Aus besonders relevanten räumlichen Entwicklungen, den Chancen und Risken ließen sich strategische Herausforderungen ableiten, die insbesondere die räumlichen Politiken betreffen. Die Konkretisierung der Strategien, Maßnahmen und Instrumente soll im Rahmen des Österreichischen Raumentwicklungskonzepts "ÖREK 2011" erarbeitet werden. Die strategischen Herausforderungen sind daher im Folgenden als Fragen formuliert, für die es noch fundierte Antworten zu finden gilt!

Sieben strategische Herausforderungen an die Raumpolitik
(1) Wie können Ordnungspolitik und sektorale Entwicklungsplanung auf
      regionaler Ebene verknüpft werden?
(2) Raummanagement als neue strategische Aufgabe: Wie können durch
      Vereinbarungen zwischen NutzerInnen über Ausmaß, Intensität, zeitliche  
      Gestaltung bewältigt werden?
(3) Wie kann das Verhältnis von Planung und Grundeigentum neu justiert
      werden? Welche bodenpolitische Strategien machen die Raumpolitik 
      handlungsfähig?
(4) Mit welchen Strategien für ländliche Räume abseits der Agglomerationen 
      und Zentren kann/soll reagiert werden?
(5) Welche Antisegregationsstrategien sind wirksam?
(6) Wie kann auf neue staatsgrenzenüberschreitende Funktionsräume mit
      regionalpolitischen Strategien reagiert werden?
(7) Die Organisation der Kooperation als zentrale Aufgabe!

Projektkommunikation
Wichtiger Bestandteil des Projekts war ein breiter Kommunikationsprozess, in dessen Rahmen VertrerInnen der ÖROK-Mitglieder, die Mitglieder der begleitenden Arbeitsgruppe, das Szenarioteam und weitere ExpertInnen Zwischenergebnisse diskutierten und abstimmten. Neben einer "Szenariokonferenz" im Mai 2008, bei der die vier Szenarien vorgestellt wurden, fand im Jahr 2007 eine Veranstaltungsreihe zur Entwicklung der thematischen Szenarien statt.

- Konferenz "Raumszenarien Österreichs 2030", 29. und 30. Mai 2008 (Wien)
- Zukunftsworkshop I am 27.3.2007: Wirtschaft – Energie – Landwirtschaft
- Zukunftsworkshop II am 17.4.2007: Tourismus – Verkehr – Umwelt
- Zukunftsworkshop III am 18.4.2007: Bevölkerung –Gesellschaft- Insitutionen
- Zukunftsworkshop IV am 22.5.2007: integrierte Szenarien der Räumlichen 
  Entwicklung
Zukunftsworkshop IV 

Im Herbst 2007 wurde in Wien eine ÖROK-Fachtagung zum Thema „Der Blick in die Zukunft: Die Szenariotechnik als vielversprechendes Instrument?“ veranstaltet, bei der die "Szenariotechnik" verschiedener anderer Szenario-Projekte vorgestellt wurde. Im Fokus stand bei dieser Fachtagung die Szenario-Methodik.
- ÖROK-Fachtagung „Der Blick in die Zukunft: Die Szenariotechnik als 
  vielversprechendes Instrument?“

nach oben